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Sonnige Aussichten! Heute mal ein Blick hinter die Kulissen…

19 April 2018

… oft werde ich gefragt, wie so eine persönliche, emotionale und einzigartige Rede entsteht? Wie es mir gelingt, die für jedes Brautpaar passenden Worte, Geschichten, Zitate und Bilder zu finden? Und wie ich es schaffe, die Rede zum größten Teil frei zu halten? Damit ihr euch ein Bild machen könnt, versuche ich den Prozess mal zu beschreiben.

Der April zeigt sich von seiner schönsten Seite! Wir haben unsere Terrasse und unseren Garten für den Sommer vorbereitet und nutzen jede Gelegenheit, um outdoor zu sein. Der Schneeballbusch in unserem Vorgarten blüht aus Leibeskräften und verströmt einen betörenden Duft. Das tut er immer nur eine Woche pro Frühjahr – und ich bin diesmal zum ersten Mal seit gefühlten 15 Jahren bei diesem Sinnesspektakel zu Hause!! Wundervoll, inspirierend und ich kann mich nicht sattriechen und sattsehen!

 

 

Das ist mein Lieblingsplatz! Hier habe ich einen guten Blick auf das Kräuterbeet, die Magnolie und die beiden großen Buchen, die gerade ihr frisches grünes und rotes Laub entfalten. Dieser Blick lässt meinen Gedanken freien Lauf und so fällt mir das Traureden schreiben doppelt leicht. In den letzten Tagen habe ich die individuelle Trauzeremonie für unsere Freunde Katrin und Frank geschrieben. Diese Hochzeit findet Mitte Mai in Spanien statt. Das hat mir sehr viel Freude bereitet und mir sind die Ideen einfach aus der Feder geflossen.

 

 

Zu Beginn erfolgt das „Traugespräch“ mit dem Paar gemeinsam. Hier stelle ich viele Fragen, erfahre ganz viele Details und notiere alles in meinem „Traute Buch“. Schon beim Sammeln aller Beiträge nutze ich unterschiedliche Farben und Stifte, so dass schon die erste innere Landkarte entsteht. Am Ende dieses Termins, der ca. 2-3 Stunden dauert mache ich ein Foto vom Brautpaar in spe, welches ich ausgedruckt zu meinen Notizen hefte.

 

 

 

Mit allen gesammelten Informationen schicke ich mein Unterbewusstes schon mal auf eine gedankliche Reise. Oft fallen mir in den Folgenächten die ersten Impulse zu, die ich dann gleich nach dem Aufstehen notiere.

Je nach Wunsch des Paares erfolgen noch Einzelinterviews mit Braut und Bräutigam, mit Trauzeugen, Eltern oder anderen Gästen, die sich bei der freien Trauung einbringen wollen. Auch hier sammle ich alle Inputs, Ideen und Wünsche, die dann später in die Zeremonie eingeflochten werden.

3 Wochen vor der freien Trauung beginnt die eigentliche „Arbeit“. Ich suche mir einen friedvollen, ruhigen und gemütlichen Lieblingsplatz, versorge mich mit Wasser, Tee und Milchkaffee und schlage die Notizseiten aus dem „Traute Buch“ auf. Neben mir liegt ein leeres Blatt Papier und verschiedene Stifte in unterschiedlichen Farben. Ich erstelle ein erstes MindMap mit einer groben Struktur für die Zeremonie und füge nach und nach erste Ideen hinzu. Das ist ein kreativer Prozess, der mir viel Freude bereitet.

 

 

Wenn ich alle Ideen zusammengetragen habe, dann beginnt die kreative Schreibtätigkeit. Hierzu nutze ich mein Notebook. Der Vorteil ist, dass ich Zitate, Liedtexte, Metaphern und alles was mir beim Texten in den Sinn kommt, sofort googeln kann. Somit wächst die Traurede von Minute zu Minute. Das Besondere ist in dieser Zeit, dass ich immer wieder mit geöffneten Augen auf unsere Ehe blicke. Oft tausche ich mich in den Schreibpausen mit Detlef, meinem Mann aus und wir tauchen beide in die Erlebnisse unserer eigenen Hochzeit ein. Das ist ein wundervoller Nebeneffekt, den ich als wertvolles Geschenk begreife. Unser Bewusstsein wird somit immer wieder auf die Fülle unserer Liebe gerichtet.

 

 

Wenn der erste Entwurf steht, dann schlafe ich ein bis drei Nächte darüber und dann erst kommt der nächste Schritt. Nun lese ich die Rede meinem Gatten vor. Hier werden erste Gedankensprünge, Lücken und Unstimmigkeiten erkannt und ganz oft bekomme ich das erste Lob und die ersten Lacher von meinem Geliebten. Das ist auch ein sehr schönes Ritual, welches dem Feintuning der Rede sehr gut tut.

Wenn es Eheversprechen einzubinden gibt, dann schaue ich, dass es keine Dopplungen mit meiner Rede gibt. In diesen Fällen schicken mir meine Brautpaare unabhängig voneinander ihre Ehegelübde. Bei Fragen stehe ich bei der Entwicklung dieser sehr persönlichen Versprechen gerne zur Seite.

Ebenso binde ich das Ritual, falls es eins gibt, in die Traurede ein.

Nach der Überarbeitung lasse ich das Ganze noch mal ein bis zwei Nächte ruhen. Wenn mir dann noch alles gefällt und stimmig ist, dann erstelle ich meine „Traute Kärtchen“. Diese Kärtchen sind mein „roter Faden“ für die freie Trauung. Sie sind kleiner als Din A 5, einseitig mit der Hand beschriftet und beinhalten die wichtigsten Punkte der Rede.

 

 

Der Rest ist Übungssache und meine über 25jährige Erfahrung als Moderatorin. Die aktuelle Traurede liegt als Ausdruck auf meinem Nachttisch und ich lese sie in den 10 Tagen vor der Hochzeit vor dem Schlafengehen und nach dem Aufwachen durch. So verfestigen sich die Geschichten und Überleitungen. Am Tag vor der freien Trauung nehme ich mir noch mal 2 Stunden Zeit für Ablauf und Inhalt, gehe früh ins Bett, so dass ich voll konzentriert und pointiert für meine Paare da sein kann. Getreu nach meinem Motto: „Das Leben und die Liebe sind BUNT!“ Ich liebe was ich tue!!

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