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(M)eine Liebesgeschichte…

15 Mai 2020

Geschichten sind wundervoll! Sie sind der Stoff für Träume, Gefühle, konservierte Erinnerungen und für jede freie Trauzeremonie. Wir bekommen jede Woche die schönsten Liebesgeschichten aus erster Hand erzählt. Oft sind wir zu Tränen gerührt, können uns vor Lachen nicht mehr halten, sind verzaubert von so viel Romantik.Wir beleuchten und erleben mit euch all die wundervollen Facetten eurer Geschichte. Genau das Richtige für das Traute Herz! Auch wir werden nach unserer Geschichte gefragt. Diese Geschichte haben Detlef und ich, jeder aus seiner Perspektive, im Rahmen unserer Trauzeremonie erzählt. Für viele unserer Gäste eine bleibende Erinnerung. In den nächsten BlogBeiträgen wollen wir unsere Geschichte mit euch teilen. Sie wird aus Nicoles Sicht erzählt, denn Detlefs Darstellung ist schnörkelloser, kürzer und mit wesentlich weniger Details… die Sicht eines INTP Mannes (aus der MBTI-Typenlehre)

 

 

Los geht´s…

Es war an diesem Silvester 2002 auf 2003 als ich diesen folgeschweren Vorsatz fasste! Ziel war, an meiner angeborenen Schüchternheit zu arbeiten. Diese sozusagen durch Training zu überwinden. Also beschloss ich um kurz nach Mitternacht, am 1.1.2003 folgendes: „in diesem Jahr spreche ich jeden Menschen, der mir interessant erscheint, egal welchen Alters und welchen Geschlechts, von mir aus an. Ich suche aktiv den Kontakt und überlege mir, wie ich ins Gespräch kommen kann.“ Das war ein guter Plan – zumindest in meiner Vorstellung. Und irgendwie schaffte ich es auch immer mal wieder. Mal im Flugzeug auf einem kurze, Innereuropäischen Flug zu einem meiner Kunden, mal in einem Café, mal im ICE Restaurant oder auch mal im Aufzug. Es waren gute Erfahrungen – meist bekam ich einen kurzen, oberflächlichen Kontakt hin.

Die Monate vergingen und es war schon August – ein unglaublich heißer August, der ohne Rock und leichten Tops gar nicht auszuhalten gewesen wäre. Damals hatte ich das Rockproblem noch nicht…. Auf alle Fälle hatte ich einen Freund mit den Initialen „DS“. Er fuhr einen schwarzen Mercedes mit WW– DS und irgendeiner Nummer Kennzeichen.

An einem Montagabend im August, ich hatte einen Auftrag in Hildesheim. Dort war ich in der ehemaligen Irrenanstalt untergebracht.  In der Zwischenzeit ein gehobenes Hotel mit wundervollem Park. Ich komme also von meinem Training aus der Stadt, gehe die Parkallee in Richtung Hoteleingang entlang und sehe vor dem Eingang des Hotels einen schwarzen Mercedes mit offener Kofferraumklappe. Mit WW-DS und irgendeiner Nummer Kennzeichen. Mein erster Gedanke war natürlich, warum mir mein lieber Freund Dirk nicht verraten hat, dass er auch in Hildesheim logiert. Zweiter Gedanke – super, dann können wir heute Abend zusammen essen und ich muss mich nicht mit dem Vortrag für die Messe Leipzig beschäftigen. Voller Vorfreude wartete ich in der Nähe des Autos, damit ich ihn gleich mit meiner Anwesenheit erfreuen kann…. Nach gefühlter Ewigkeit kam auch der offensichtliche Besitzer des Fahrzeugs, der augenscheinlich nicht mein Freund Dirk war. Dennoch nahm er Blickkontakt auf und grüßte mit einem äußerst charmanten Lächeln…und lud seinen Kofferraum weiter aus. Ich sah noch, dass er Moderationsgerätschaften in einen Tagungsraum brachte. Auf dem Aufsteller vor dem Raum war für die nächsten zwei Tage ein Seminar für eine deutsche Großbank angekündigt.

 

 

Nach dem Einchecken war mir eines ganz klar… hier werde ich meinen Silvestervorsatz unbedingt in die Tat umsetzen. Ich nahm mein Notebook, suchte mir einen strategisch guten Platz im Parkrestaurant und begann mit der Erstellung des Vortrags. Na gut, es sah zumindest so aus, als wäre ich extrem beschäftigt, In Wirklichkeit konnte ich durch die Gläser meiner Sonnenbrille alle Ein- & Ausgänge wunderbar sehen. Mein Plan war, dass ich meinen neuen WW-DS und irgendeine Nummer Vorsatz direkt anspreche, wenn er aus dem Hotel raus kommt. Es war ca. 20.30 Uhr als das Objekt meiner Begierde in Joggingmontur den Seiteneingang verließ. Ich kalkulierte, aufgrund meiner eigenen Joggingerfahrung, dass er spätestens gegen 21.00 Uhr wieder zurück kommt und dann ist mein großer Moment gekommen…

Gegen 23.00 Uhr und 4 Weinschorlen später brach ich mein Vorhaben unverrichteter Dinge ab. Ich ging ins Bett und hatte einen sehr bewegten Traum mit dem Unbekannten! Völlig verwirrt stand ich auf und nahm mir vor, dass ich gleich beim Frühstück den Kontakt herstellen werde. Auch hier suchte ich mir einen strategisch guten Platz, hatte alles im Blick und harrte der Dinge die da kommen sollten…und sie kamen!

Gerade war ich mit dem Frühstück fertig und im Begriff das Hotel zu verlassen kam ER. Lächelnd suchte er sich einen Platz und schlenderte zum Buffet. Ein Blick auf die Uhr. Ich hatte noch 25 Minuten bis ich im Seminarraum in der Innenstadt erwartet wurde. Zu Fuss brauchte ich 7 Minuten bis dort hin. Gerade wollte ich meine Strategie umsetzen, da stand ein freundlicher junger Mann an meinem Tisch und fragte sehr höflich, ob er sich zu mir setzen dürfte… alleine Frühstücken mache ihm keinen Spaß…Aufgrund meiner durchaus guten Erziehung bejahte ich diese Frage und blieb höflich noch 12 Minuten bei ihm sitzen. Dann entschuldigte ich mich, schulterte meine Tasche und verlies das Hotel… wieder unverrichteter Dinge.

Der Seminarvormittag verging und ich beschloss, dass ich die Mittagspause erneut zur Kontaktaufnahme nutzen wollte. In der Kaffeepause schrieb ich auf eine Moderationskarte folgenden Text: „guten Tag, mein Name ist Else K. und ich würde Sie sehr gerne persönlich kennen lernen. Anbei meine Mobilnummer, ich freue mich von Ihnen zu hören.“ Ich ging in der Pause zum Hotelparkplatz, suchte den schwarzen Mercedes mit dem Kennzeichen WW-DS…, das ER ja am Vortag ausgeladen hatte und klemmte die Moderationskarte unter den Scheibenwischer. 4 Minuten vom Parkplatz in Richtung Seminarraum unterwegs verließ mich der Mut – Frau Morales mischte sich ein und sagte mit erhobenem Zeigefinger: „So was kannst du doch nicht machen!! Das schickt sich nicht… was sollen denn die Leute denken, die das jetzt beobachtet haben? Und was wird erst der Herr denken, dass du ihm so offensichtlich nachläufst!! Schäm dich!!“ – ich ging zurück, nahm die Moderationskarte wieder in meine Obhut und lief zurück ins Seminar. Eine Chance gab es ja noch, bevor ich am Abend zurück fahren musste. Ich nahm mir vor, dass ich das Parkticket an der Rezeption des Hotels und nicht am Parscheinautomaten bezahle. Dann konnte ich noch einen Blick in den Seminarraum von IHM werfen und ihn eventuell noch persönlich ansprechen…

… mit Absicht kramte ich in meiner Handtasche und suchte erst das Parkticket und dann meinen Geldbeutel. Heimlich blickte ich immer wieder in Richtung Tagungsraum. Hinter mir bildete sich langsam eine Schlange von Menschen. Manche wollten einchecken, andere einen Weckauftrag erteilen und manche so wie ich das Parkticket zahlen. Es war wie verhext. ER war wie vom Erdboden verschwunden. Ich gab mich geschlagen! Es sollte nicht sein, dass wir miteinander in Kontakt kommen. Langsam lief ich zu meinem Auto, gab meine Heimatadresse ins Navi ein und fuhr in Richtung A7…. Ich bekam die Bilder nicht aus dem Kopf. Immer wieder dachte ich darüber nach, was ich eigentlich von IHM will. Warum ER, den ich nicht kenne, mir nicht mehr aus dem Kopf geht… auf der Höhe von Kassel wählte ich die Telefonnummer des Hotels in Hildesheim. Die freundliche Dame vom Empfang nahm ab und ich äußerte mein außergewöhnliches Anliegen – nicht bevor ich sie darum bat, nicht zu lachen…

 

 

Meine Frage an die Rezeptzionistin war, ob sie mir bitte den Namen des Dozenten aus dem Tagungsraum Vorne rechts sagen kann. Durfte sie natürlich nicht. Gutes Hotel! Also äußerte ich folgendes Anliegen: „Würden Sie bitte dem Dozenten, aus dem Tagungsraum Vorne rechts, der einen schwarzen Mercedes mit dem Kennzeichen WW-DS und irgendeine Nummer fährt folgende Nachricht übergeben?! „Mein Name ist Else K. und ich würde Sie gerne näher kennen lernen. Meine Nummer ist 0151 – 13456789 und ich freue mich über Ihren Anruf.“ Natürlich lachte die freundliche junge Frau am anderen Ende der Leitung.

Mein Herz schlug vor Aufregung total wild und ich fuhr weiter Richtung Heimat. In der darauffolgenden, schlaflosen Nacht nahm ich mir vor, dass ich diese Geschichte auf gar keinem Fall irgendjemandem erzähle… Am nächsten Tag gelang mir das auch noch und auch am Übernächsten. Mein Nokia verhielt sich auffällig ruhig. Es klingelte nur mit mir bekannten Nummern im Display und sendete mir auch keine fremden SMS. Selbst wenn ich es alle 5 Minuten in die Hand nahm passiert rein gar nix. Es war immer noch ein sehr heißer Sommer und ich traf mich am Sonntag mit Freunden am See. Etwas Ablenkung tat mir gut. Das mobile Endgerät ließ ich zu Hause liegen, es tat sowieso nicht das was es sollte… Gemeinsam mit einem Freund schwamm ich eine Runde im See und erzählte ihm mehr oder weniger beiläufig meine Geschichte…

Er war völlig entsetzt und hielt mir eine mega Stammpauke. Ich kann den genauen Wortlaut nicht mehr ganz wiedergeben, aber sinngemäß meinte er wohl, dass es das aller, aller, aller, aller LETZTE sei, wenn eine Frau einem wildfremden Mann eine Nachricht auf diesem Wege hinterlässt. Also das würde seinen „Jagdinstinkt“ total „downturnen“ und überhaupt… mit so einer Frau würde er auf gar, gar, gar keinen Fall Kontakt aufnehmen wollen…. Ich ärgerte mich sehr über mich, dass ich überhaupt etwas gesagt habe. Sonnenbrand, Erschöpfung und der Ärger über mich selber ließen mich in einen traumlosen Schlaf fallen. Am Montag Morgen stellte ich überrascht fest, dass ich eine Sprachnachricht auf der Mailbox hatte. Mit unbekannter Nummer!!

Mit zitternden Fingern wählte ich mich zum Abhören meiner Sprachbox ein. Es dauerte einen Moment, bis ich die Nachricht – mit Hundegebell im Hintergrund – hören konnte. Der Anrufer nannte seinen Namen und hinterließ mir mehrere Telefonnummern und sagte, dass er sich über meinen Rückruf sehr freuen würde. Mein Herz war völlig außer sich und ich hörte vor lauter Aufregung das Blut in meinen Ohren. Nach einem Kaffee und noch ungefähr 8maligem Abhören der Nachricht startete ich mein Notebook und suchte den „Unbekannten“ über Google. Nicht das die Dame vom Hotel einem Falschen meine Nachricht hinterlassen hat. Ich gab den Namen ein, den er auf der Mailbox hinterlassen hatte, ging bei Google auf Bilder und…. TATAAATAAA – ich fand ein „verspanntes Hörnchen“ im grauen Anzug, der offensichtlich der WW-DS und irgendeine Nummer schwarzer Mercedes Besitzer war. Ich ging zurück auf den Text und erfuhr eine Menge über ihn. Ein in Amerika promovierter Philosoph, Geburtsjahr 15 Jahre vor meinem, hatte beruflich schon viel erlebt und arbeitete jetzt als Trainer und Coach. AHA. Diese Infos in Verbindung mit dem Hundegebell im Hintergrund der Sprachnachricht weckten in mir die absolute Gewissheit, dass dieser Mann sicher glücklich verheiratet ist und Vater von mindestens 3 Kindern und Besitzer eines Haustiers auf 4 Pfoten. Das war absolut tabu!!

Nach ungefähr 7,5 Minuten Nachdenken wusste ich genau, was zu tun war. Ich nahm mein Nokia, gab seine hinterlassene Mobilnummer ein und tippte folgende Nachricht: „Vielen Dank für Ihre Nachricht. Aktuell bin ich sehr beschäftigt und werde mich daher nicht mehr bei Ihnen melden. Wünsche Ihnen alles Gute! Freundliche Grüße Else K.“ – drückte auf senden und weg war die Textbotschaft. Erleichtert holte ich tief Luft und ging meiner Seminarvorbereitung wieder nach. Noch am selben Nachmittag fuhr ich mit dem Zug nach Würzburg, um dort mit meinem lieben Freund und Kollegen Frank zur nächsten Großveranstaltung zu fahren. In Richtung Salzburger Land. Wir hatten also eine ca. 400 Kilometer lange, gemeinsame Autofahrt vor uns und weil wir uns immer alles erzählt haben, was uns so bewegt und beschäftigt, erzählte ich ihm meine aktuelle Geschichte und deren abruptes Ende mit Dr. D. Natürlich erzählte ich in allen Details und da Frank ein guter Zuhörer ist, fragte er auch entsprechend nach und so entstand für ihn ein rundes Bild. An manchen Stellen musste er laut lachen und manchmal entlockte ihm meine Geschichte Aaahs und Oooohs. Kurz vor dem Ziel war es dann soweit, dass ich ihm von meiner abschließenden SMS an Dr. D. erzählte. Frank machte ein Vollbremsung, blickte mir direkt in die Augen und schrie mich an: „Bist du denn total bekloppt!!?? Was soll das denn??!! Erst lässt du keine Möglichkeit aus, um in Kontakt zu treten und dann interpretierst du irgendwas in diesen Anruf und beendest den Kontakt, bevor er richtig begonnen hat??!! Du bist ja völlig irre!! Und was willst du überhaupt von ihm?? Ich kann euch Frauen, so gerne ich euch habe, echt manchmal nicht verstehen“…. das war die zweite Stammpredigt innerhalb von 2 Tagen vom nächsten Freund. Mein Mund war trocken, ich schluckte und rutschte noch tiefer in meinen Beifahrersitz. … Ja, das war eine gute Frage: WAS WOLLTE ICH DENN ÜBERHAUPT VON IHM???

Darüber wollte ich in Ruhe nachdenken. Und dir erzähle ich das im nächsten Teil ganz genau, denn bis dahin bin ich auch wieder ganz klar, was und warum ich es eigentlich wollte…. ganz schön kompliziert, oder?? Also, es bleibt spannend. Im nächsten Beitrag erzähle ich euch, wie es dann weiter ging… habt eine sonnige und verliebte Zeit! Eure Nicole – „die Traute“

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