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Junggesellenabschied in Zeiten von Covid 19!

22 Dezember 2020

„die Traute“ im Gespräch mit Daniel aus Osnabrück, der als Trauzeuge von Julia einen virtuellen Junggesellenabschied organisiert und veranstaltet hat. Heute plaudert er aus dem Nähkästchen und berichtet über die Erfahrungen dieses besonderen Abschieds.

die Traute: „Lieber Daniel. Eine wundervolle Inspiration, die du uns in Zeiten wie diesen gibst. Wie ist die Idee entstanden?“

Ich nehme meine Rolle als Trauzeuge ernst, zumal Julia, die Braut  eine sehr erfahrene Trauzeugin ist.  Sie ist sehr ambitioniert, wenn es um solche Aufgaben geht.  Als wir im Oktober zusammen eine Weinreise in der Pfalz unternahmen, wurde sie von mir  zum Thema JGA, in Zeiten von Coraona, interviewt. Ursprungsplan wäre eine Reise nach NY  im kleinen Kreis geworden. Das ging nun in dieser Zeit bekanntermaßen nicht. Schnell wurde klar, was ihr wichtig ist.                                    Sie wollte: was Bleibendes, was Kreatives, nichts Verkaufen und sich nicht verkleiden. Für den virtuellen Junggesellinnenabschied hatte ich ihr dann doch noch einen Tüllrock  besorgt. Den sie dann auch mit großer Freude trug.

Es war klar, dass wir uns nicht persönlich treffen können. Daher musste eine geeignete virtuelle Plattform her. Ein Bekannter nutzt https://gather.town für interne Schulungen und so entstand der Plan.

die Traute: „Was war dir bei der Vorbereitung & Einladung wichtig“

Nachdem wir die Plattform hatten, habe ich die beiden Schwestern der Braut mit ins Boot geholt. Beide sind erfahren mit virtuellen Meetings, so dass sie die nicht so erfahrenen Gäste im Vorfeld und auch während des JGA immer wieder „an die Hand“ nehmen konnten. Wir wollten mit 18 Gästen Julias JGA feiern. Die wenigsten hatten die technischen Voraussetzungen und Erfahrungen für ein virtuelles Event dieser Art. Alle TN wurden im Vorfeld gebrieft, technisch abgeholt, mit Video und über Chats.

Im Vorfeld habe ich einen Spannungsbogen aufgebaut, so dass Neugierde entstehen konnte. Es gab für jede Teilnehmerin eine Box zur Vorbereitung und für den eigentlichen Event, per Post zugeschickt. Inhalt der Box war: 1 Gesichtsmaske,  1Piccolo, Farbe, 1Pinsel, was zum Naschen, Tüll, Haarreif, 1 Puzzle Teil, Sekundenkleber.

 

 

Die Bastelanleitung und Aufgabenstellung zur Vorbereitung  gab es dann von mir per Video… Bastele dir einen Fascinator mit dem glitzer Tüll in Regenbogenfarben und dem Haarreif und bemale das Puzzleteil – lass deiner Phantasie freien Lauf. Es gab wundervolle Ergebnisse. Für die Fascinator wurden  Klopapierrollen, Lichterketten, der komplette Umkarton verbastelt. So entstanden ganz wundervolle Kunstwerke mit unterschiedlicher Interpretation.  Jeder Gast hat einen kleinen Obolus für die Box eingebracht. Die benötigten Utensilien wurden von mir eingekauft, vorbereitet und liebevoll verpackt. Der  Wert pro Kiste lag bei ca. 23.- Euro + Porto und Verpackung.

 

 

Von den 17 verschickten Paketen sind 16 pünktlich angekommen, Nr. 17 ging nach London und hat die Empfängerin leider erst am Montag nach dem JGA erreicht. Diese Freundin hat alle Aufgaben für den JGA improvisiert und das Puzzle Teil wurde später nachgereicht.

die Traute: “ Wie waren die Reaktionen der eingeladenen Gäste im Vorfeld?“

Für einige war es sehr einfach, weil sie auch beruflich viel Erfahrung mit diesen Medien haben. Für die Braut und viele der Freundinnen war es absolutes Neuland. Sämtliche Partner wurden in die Vorbereitung eingebunden, es wurden Programme installiert, das Homeoffice für den JGA geräumt und es wuchs von Info zu Info eine gespannte Neugierde. Es gab neben dem Paket noch 6 vorbereitende Videos und Whatsapp Kommunikation so dass es gelungen ist, diesen  Spannungsbogen aufzubauen.

die Traute: „der eigentliche Abschied… wie kann ich mir das vom Setting her vorstellen?“

Julia und ich verbrachten den Junggesellinnenabschied bei mir zu Hause. Jeder hatte seinen eigenen Rechner. Wir beiden waren auch physisch an einem Ort. Alle anderen 17 Gäste waren virtuell zugeschaltet.

18.00 Uhr war die Startzeit unserer Verabredung. gebastelter Fascinator, bemaltes Puzzleteil, Piccolo und Sweets sollten dann bereit sein.

 

 

Wir brauchten ca. 1 Stunde, bis wirklich alle „on Board“ waren und sich mit der Nutzung der Plattform vertraut gemacht haben.

Zuerst haben wir auf das Glück der Braut, auf das Leben, auf die Liebe und einen schönen Abend angestossen. Dann ging es im „Wohnzimmer“ auf dem Sofa weiter.

In der ersten Runde bestand die Aufgabe darin, sein Puzzleteil zu zeigen und zu erzählen, wo jeder schon mit Julia unterwegs war – auf der Welt, in Bars, Lokalen… Das war gleichzeitig schon eine Art „Vorstellungsrunde“ für uns alle, denn wir kannten uns auch nicht komplett. In der Zwischenzeit liegen die gestalteten Puzzleteile beim Brautpaar im Flur. Ein ganz buntes wundervolles Bild ist entstanden.  Ein Teil ist 11 cm breit, aus Holz und jedes Teil passt in Jedes. Dieses Endlospuzzle wird an der großen Hochzeit im Sommer 2022 von allen anderen Gästen weiter gestaltet und wachsen.

Nach diesem Ankommen gab es Zeit zur freien Verfügung, für Gespräche zu zweit oder in kleinen Gruppen und jeder konnte sich in der „Galerie“ die Fotos der Braut mit den jeweiligen Freunden ansehen. Die Plattform bietet gute Möglichkeiten, sich in großer und auch in kleiner, intimerer Runde zu treffen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Miteinander, Vertrautheit und die Möglichkeit für Rückzug.

 

 

Weiter ging es in großer Runde im „Kaminzimmer“ – mit der Quizrunde. Ich habe vorher mit dem Bräutigam ein Video aufgezeichnet. Der zukünftige Gatte hat  Fragen beantwortet. Nun wurde Julia befragt und nach ihrer Antwort wurde der Film mit den Antworten des Bräutigams eingespielt. Das war super, da auch noch nicht alle Freundinnen den Zukünftigen persönlich kannten.

die Traute: „Das ist ja echt ein sehr abwechslungsreiches und interaktives Programm, welches du dir da ausgedacht hast. Welche Art von Fragen waren das, die du dem Paar unabhängig voneinander gestellt hast?“

Es gibt eine 20 Jahre alte Studie, die zwei Menschen dazu bringen soll, sich ineinander zu verlieben. Der Psychologe Dr. Arthur Aron hat hierzu 36 Fragen entwickelt, die sich von konventionellen Smalltalk absetzen und so ein schnelles Kennenlernen ermöglichen. https://www.focus.de/reisen/zeit-fuer-uns/liebe-als-experiment-die-uebersetzten-36-fragen-aus-dr-arthur-arons-studie

Auf die Idee bin ich durch ein Podcast „Ausdauersport Liebe“ gekommen. Und das war für mich ein guter Leitfaden

Das Ende des festen Programms war eine Art „Show“ – ich hatte ein Video mit Ausschnitten von „Magic Mike“ geschnitten. Diesen Zusammenschnitt hätte ich mir sparen können, denn das kam nicht so gut an. Wahrscheinlich es war irgendwie zu viel.

die Traute: „was waren absolute Highlights? und womit hast du im Vorfeld gar nicht gerechnet?“

  • Sehr besonders war, dass alle 18 teilnehmen konnten. Auch eine Freundin, die in Quarantäne war und unser zugeschalteter Gast aus London. Es waren wirklich alle dabei.
  • Wir haben von 18.00 – 01.00 Uhr, also  7 Stunden Zeit geteilt. Da wir beide einen Rechner hatten, konnte sich die Braut während des Chats mit verschiedenen Gruppen unterhalten. So fühlte sich jeder wirklich abgeholt und persönlicher Austausch und echte Interaktion war möglich
  • Die Neugierde und Überraschung der Mädchen, ein Paket zu bekommen, ohne zu wissen, was drin ist. Mein aufgebauter Spannungsbogen hat wirklich geklappt.

die Traute: „welche Stimmen gab es von der Braut? Und von den Gästen?“

Die Brautmutter hat mich am Sonntag Abend, nach dem JGA, angeschrieben: „Meine Tochter ist total begeistert. Ihr habt euch wirklich so viel Mühe gegeben. Danke auch von der Brautmutter. Trotz Corona wirklich toll!“ Das war für mich eine ganz besondere Art der Wertschätzung.

Von jedem Gast habe ich ein persönliches DANKE bekommen. Stimmen, wie z.B. „damit hab ich nicht gerechnet“ – „das war toll…“ – „hätte ich nicht geglaubt, dass wir so eine Nähe, so einen Spaß und so eine wunderbare Zeit haben würden.“ … haben mich in der Idee bestätigt.

die Traute: „Das kann ich mir gut vorstellen. Wahrscheinlich würdest du es wieder tun. Aus der Erfahrung heraus, was würdest du eventuell ändern?“

Ja, unbedingt würde ich es wieder tun.  Das nächste Mal würde ich  vorher mit allen Gästen einen Probelauf durchführen. ,Das würde garantiert den Stress mit der Technik nehmen. Und wie schon erwähnt, den letzten Show-Act mit den tanz- & flirt Filmsequenzen hätte ich mir sparen können.

Danke Daniel! Ich kann mir den Abschied so richtig gut vorstellen und bin begeistert von deiner Kreativität und den vielen Ideen. Bestimmt ist das eine tolle Inspiration für den ein oder anderen Trauzeugen. Auch nach Corona kann das eine gute Lösung sein, wenn weite Wege oder gar andere Länder oder Kontinente zwischen der Braut und ihren Freundinnen liegen. Alles Gute für dich und heute schon mal viel Vorfreude auf die große Sommerhochzeitsparty, die dann 2022 statt findet. Der rechtliche Part im Standesamt wurde ja schon von dir als Trauzeuge begleitet.

 

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