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Aus dem Leben einer Traurednerin…

19 August 2019

Es gibt die einen, die sagen: „Wow, wie toll ist das denn! Du hast fast die ganze Woche frei und im Sommer an den Wochenenden manchmal eine Trauzeremonie…“ und die anderen, die mich fast schon mitleidig ansehen und sagen: „Du bist ja immer unterwegs, musst dich immer auf fremde Menschen einstellen und hast bestimmt immer totales Lampenfieber und Aufregung – wie machst du das nur?“…Und weil diese Gedanken an mich herangetragen werden, habe ich mir überlegt einen BlogBeitrag zu diesem Thema zu schreiben. Bekanntlich gibt es ja immer mehrere Facetten zu einem Thema.

Ganz wichtig ist mir, gleich zu Beginn des Beitrags: ICH LIEBE WAS ICH TUE und ich möchte es nicht mehr missen! Seit über 26 Jahren arbeite ich als Trainerin und Coach mit immer wieder mit neuen und wechselnden Menschen zusammen. Ich stelle mich neu auf die Teilnehmer und die Themen ein und finde daran großen Gefallen. Seit dieser Zeit spüre ich auch nach so vielen Vorträgen, Trainings- & Seminartagen und Moderationen immer noch ein Kribbeln im Bauch, kurz bevor es los geht. Und das ist auch so, wenn ich neue Brautpaare kennenlerne und kurz bevor die freie Trauzeremonie beginnt. Ich liebe dieses Kribbeln, die leichte Nervosität und das Gefühl in wachsamer, achtsamer Präsenz zu sein. Dann bin ich sehr wahrnehmungs- und leistungsstark. Meine Konzentration ist hoch und ich bin ganz im Moment…

 

 

Bevor es jedoch zu diesem „Gleich erscheint die Braut und die freie Trauung beginnt“ Moment kommt, passiert ne ganze Menge im Leben einer Traurednerin. Die Aufgaben sind sehr, sehr vielfältig und das reizt mich an meinem Tun. Ich bin das ganze Jahr über beschäftigt. In den Monaten mit wenigen Trauterminen besuche ich Messen, aktualisiere die Homepage, schreibe Blog-Beiträge, entwickle neue Marketingstrategien, führe intensive Traugespräche, Organisiere die nächste Saison, fahre zu Locations und stelle mich vor, bin mit Fachzeitschriften für Reportagen in Kontakt, bereite die vergangene Hochzeitssaison nach, überlege mir neue Geschichten, Rituale und Trauzeremonie-Abläufe,…

 

 

Es ist gut, die richten Komeptenzen an Bord zu haben. Um die vielen Aufgaben zu erledigen braucht es vor allen Dingen eine große Portion Selbstorganisation. Terminkoordination, Jahresplanung, Umgang mit Zeit und Ressourcen… sind wichtige Qualitäten, um einen zuverlässigen und guten Job zu machen. Es ist durchaus hilfreich einen soliden Einnahmen- und Ausgabenplan für das Jahr zu erstellen. Das Finanzamt möchte pünktlich die Vorauszahlungen und die Rücklagen für die Jahresabschlüsse und Steuerzahlungen sind wichtig. Meine kaufmännische Ausbildung und mein betriebswirtschaftliches Studium sind mir da, neben einer sehr guten Steuerberaterin, eine gute Unterstützung.

Für eine Zeremonie braucht „die Traute“ ca. 30 Stunden Zeit. Vom ersten Kontakt mit dem Brautpaar bis zum Abschlussgespräch nach der Trauung, inkl. Vorgespräch(en), Idee entwickeln, Rede schreiben, Lieblingsmenschen einbinden, Beiträge koordinieren, bei Eheversprechen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen… Wenn du das jetzt mal auf ca. 50 freie Trauungen hochrechnest, die fast alle im Zeitraum von April-Oktober stattfinden, dann kannst du dir ausmalen wie komplex das Zeiteinteilen ist. Die meisten Brautpaare können nur an Wochenenden zu den Gesprächen kommen und in der Hochzeitssaison sind die meisten Trauungen an Freitagen und Samstagen…

 

 

Jede freie Trauung ist einzigartig! Darum fließt auch in jede Geschichte, in jede Zeremonie, zu jedem Brautpaar meine ganz individuelle Aufmerksamkeit. Ich sammle alle Impulse, Ideen und Eindrücke in meinen bunten Traute-Büchern. Die Reden schreibe ich dann in mehreren Etappen, so dass sie immer wieder runder, emotionaler und stimmiger werden. Eine Woche vor der Trauung beginne ich damit, die Rede zu verinnerlichen. Ein innerer Film entsteht. Durch diese entwickelte Technik schaffe ich es, während der Trauzeremonie frei zu sprechen. Ich lese nicht ab und brauche kein Skript in der Hand. So kann ich mich ganz und gar auf das Brautpaar und seine Gäste, die jeweiligen Situationen, die im Rahmen der Trauung entstehen, einlassen. Oft „utilisiere“ ich aktuelle Momente und baue diese in die Rede und das aktuelle Geschehen ein.

 

 

… wenn ich zum Beispiel am Freitag eine Hochzeit am Tegernsee habe und am Samstag eine in der Nähe von Marburg, dann beginnt meine Reise am Donnerstag in Richtung Süden. Da die Trauungen oft am späten Nachmittag sind, komme ich meist erst gegen Mitternacht wieder nach Hause, mache ein kurzes Schläfchen, bevor ich dann am Samstag wieder los fahre. Um mich vor Ort gut einzustimmen und noch mit den anderen Dienstleistern abzustimmen, bin ich mindestens 1,5 Stunden vor Beginn am Trauort. Dann kann ich die Technik noch mal checken und bin bereit, wenn die ersten Gäste kommen. Diese begrüße ich mit Handschlag, stelle mich kurz vor und nutze die Zeit, um erste Fragen zur „Freien Trauung“ zu klären. Sobald der Bräutigam sehnsüchtig und meist leicht nervös auf seine Braut wartet, stärke ich ihm den Rücken und bin für ihn in diesem aufregenden Vorfreudemoment da. Und dann führe ich als „roter Faden“ für das Paar und seine Gäste durch eine unvergessliche, einzigartige und emotionale Zeremonie…

Und so schließt sich der Kreis.. es gibt kein Anfang und kein Ende, sondern es geht immer weiter. Es macht mir große Freude und ich möchte diese Glücksaufgabe nicht mehr missen. Es braucht, neben all der Emotionalität, Kreativität, Spontanität und Einzigartigkeit, einen inneren Kompass, Organisationstalent und Disziplin. Es braucht auch Auszeiten für Urlaub, Zeit mit Familie und Freunden. Denn nur mit einem vollen Akku kann ich 100% leistungsfähig sein. Und darauf achte ich. Melde dich gerne bei mir, wenn du noch Fragen hast. Anfang November 2019 startet unsere nächste Ausbildungsgruppe für alle, die gerne Trauredner werden möchten. Hier bekommst du ne Menge Input und Inspiration, die du für eine wundervolle Aufgabe brauchst und kannst dich selber ausprobieren. Wir freuen uns auf dich!

 

 

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